Walter Depenheuer
 
        
   
Walter Depenheuer

Leiter der Produktionen von "Klassik neue Kleider" (1983)
"Easy Listening Lounge" (1995) und "Lullabies" (1993)
Wir sprachen mit ihm im August 2007

    Mit Eugen Cicero bin ich das erste Mal in Kontakt gekommen, als ich in Idstein/Taunus die Schlo├čkonzerte mitorganisierte. Das war in den 70-er Jahren.

    Damals sollte auch immer ein Konzert aus dem Bereich Jazz etc. dabei sein. Das Konzert mit Eugen und seinem Trio fand in einer Kirche statt und war ein gro├čer Erfolg.

    Als ich dann zum damaligen Südwestfunk ging, habe ich den Kontakt mit Eugen wieder aufgenommen und produzierte für den Funk "Der Klassik neue Kleider". Später kamen noch die Produktion von "Lullabies" und "Easy Listening Lounge" dazu.

    Eugen Cicero war ein genialer Pianist. Ich war immer wieder fasziniert von seinen technischen und musikalischen Möglichkeiten. Es schien wie ein Griff in die Jackentasche und er zauberte ein Dutzend Variationsmöglichkeiten auf das Klavier. Einfach faszinierend. Ich glaube, man hätte ihn nachts um drei Uhr wecken können und er hätte einen Jacques Loussier noch an die Wand gespielt.

    Eugen war auch ein Klangästhet. Er hat einer Melodie nie die Substanz genommen. Er konnte sie bereichern wie kein anderer. Entweder harmonisch oder rhythmisch oder beides, irgendwie kam immer auch etwas Neues und Schöneres zustande, als man es zuvor gehört hatte.

    Im Grunde brauchte Eugen auch keine Begleitung. Er konnte mit seinen beiden Händen ein ganzes Orchester spielen, aber auch mit seiner Linken den Bass und das Schlagzeug ersetzen.

    Ich erinnere mich an "Guten Abend, gute Nacht" von Johannes Brahms, das er in eine traumhafte Bossa Nova verwandelt hatte.

    Und dann war da noch der einfühlsame Liedbegleiter. So hat er z.B. wunderbare Aufnahmen mit der schweizerischen Sängerin Ruth Juon gemacht. Sehr hörenswert.

    So genial er war, so unbeholfen konnte er in Alltagsdingen sein. Er wohnte einmal hier im Taunus in einem Hotel. Am frühen Morgen rief er bei uns zuhause an und fragte, wie er an eine Tasse Kaffee kommen könne.

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