Hans Lengefeld
 

Hans Lengefeld,

hat Eugen Cicero schon sehr früh nach seiner Flucht in München kennengelernt und immer wieder im Trio mit ihm gearbeitet. 1985 hat er bei den Aufnahmen "A LOVE'S DREAM" am Bass gespielt. Im Februar 2006 haben wir mit ihm ein Interview machen können:

    Ich bin in der Nähe von Hamburg geboren und lebe schon seit 1958 in München. Ich habe schon sehr früh mit Freddie Brooksieper Jazz gespielt. Der ist 1912 geboren und 1990 gestorben. Ich habe fünf Jahre bei HUGO STRASSER und 30 Jahre bei der Münchener Symphoniker gespielt.

    Eugen habe ich gleich nach seiner Flucht nach West-Berlin in München kennengelernt. Dort hat ihn Freddie Brooksieper unter seine Fittiche genommen. Wir haben im Trio gespielt und Eugen hat immer geglänzt mit seinen Bearbeitungen von östlichen Volksliedern wie z.B. die "Lerche".

    Schon damals haben wir Eugen als "Eugen Cicero" angekündigt. Brooksieper war Schlagzeuger und auch Geschäftsmann. Er hatte ein Etablissement, das hieß "Universitätsreitschule". Dort sind wir oft aufgetreten. Sonntagmittag gab es "Tanztee" und sonst immer wieder Jazz. Darunter hatte HANS KOLLER, der Wiener Saxophonist, der ja auch Maler war, Ausstellungen mit seinen Bildern. Dort spielte auch der Rettenbacher, der später Eugen am Baß begleitete.

    Eugen begann klassische Themen zu bearbeiten. Das kam auf der Bühne gut an.

    Irgendwie ist er dann, vermutlich mit Hilfe vom Brooksieper, nach Stuttgart in das "Chez-Nous" gekommen. Ich erinnere mich, das muss Juli 1964 gewesen sein. Meine Frau ("Marilyn Lane") war dort Sängerin. Ich blieb in München, da in Stuttgart kaum was bezahlt wurde. Überhaupt ging es ab Mitte der 60-er Jahre, als die Beatles populär wurden, mit dem Jazz rapide bergab. Man bekam kaum Engagements und die Honorare waren völlig lächerlich.

    Ich erinnere mich, dass Eugen mit Brooksieper auch noch in Freiburg in einem Hotel gespielt hat.

    Aber in Stuttgart hat Eugen den Peter Witte vom Erwin Lehn Tanzorchester getroffen, der ihn dann zu SABA nach Villingen gebracht hat.

    Wir hatten ca. 1983, es kann auch ein anderes Jahr gewesen sein, in einem JAZZ CLUB in Brüssel ein wirklich außergewöhnlich schönes Engagement. Das war ein absolut exklusiver Club alles mit schönen Möbel und Ledersessel und schönen Bildern an der Wand. Wir haben dort zusammen noch mit JOE NAY am Schlagzeug gespielt. Es war noch ein Sängerin dabei. Ich glaube, die hieß "Marietta" und kam auch aus München und arbeitete sonst mit Freddy Brooksieper zusammen.

    Ein Live Auftritt mit Eugen war immer etwas sehr Spontanes. Man musste immer aufpassen, wo es lang ging. Ich brauchte nur Noten für die Badinerie von Bach, sonst konnte ich überall gleich einsteigen.

    Wir wurden danach von dem Veranstalter in seinem Restaurant "Le Mozart" zum Essen eingeladen.

    1985 habe ich bei den Aufnahmen "A LOVE'S DREAM" mitgewirkt. Dirigent war Cedrik Dumont, ein in Hamburg geborener Schweizer. Ich habe wie Eugen gleich nach der Aufnahme mein Honorar gekriegt und das war's dann. Das war für die Buchhaltung immer das einfachste, weil die Platten meist nur ein paar tausend mal verkauft wurden.

    Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder mit Eugen gespielt, so zum Beispiel "Im kleinen Rondel" in München. Wir haben auch mal in Zürich am See in einem Hotel gespielt, da habe ich ihn vorher abgeholt. Er wohnte in einem kleinen Dorf südöstlich von Zürich.

    Eugen war schon ein Ausnahmemusiker. Er hatte es sicherlich nicht leicht. Zwar spielte er einzigartig, doch konnte er aufgrund der allgemeinen Lage nicht entsprechend seiner Originalität bezahlt werden. Was immer wieder zu Schwierigkeiten führte, weil er ja alles selbst organisierte. Ich glaube, er war auch ein einsamer Mensch, wie das bei den Pianisten eben gern so ist. Er immer auch etwas unruhig. Ich habe ihn aber immer als lieber Mensch in Erinnerung.
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