Peter Witte (FIFI)    1930 - 2007
 
Photo: G.Hasenfratz     Photo: G.Strebinger
MPS-Studio, 1967     Thomas Blaser u. Peter Witte, 2003
 
Peter Witte,
der Bassist auf allen SABA/MPS Aufnahmen berichtet:
    Zuerst habe ich Geige gelernt und dadurch auch klassische Grundlagen mitbekommen. Das war in Rothenburg ob der Tauber. Dann kamen die Amis und die Schule wurde aufgelöst. Ich habe schon früh amerikanische Swingmusik gehört, Glenn Miller usw. und das hat mir gleich gut gefallen. Es hatte damals nur sehr wenige Bassisten gegeben, so hab ich mir gesagt, das lerne ich. So bin ich zum Bass gekommen.

    Schon 1950 hatte ich Glück und spielte in verschiedenen Combos, so unter anderem bei Hugo Deuringer und Kurt Rehfeld. Dann kam ich zu Erwin Lehn nach Stuttgart, der nach dem Krieg das Südfunk-Tanzorchester des damaligen Süddeutschen Rundfunks aufbaute. Dieses Tanzorchester hat bis heute als SWR BIG BAND überlebt. Ich habe vorgespielt und wurde gleich angenommen. Da waren noch Egon Mosch, Horst Jankowski, Hermann Mutschler (er war der erste Schlagzeuger, bevor Charly Antolini kam) dabei. Alles große Musiker, die sich später selbständig gemacht haben....

    1960 rief völlig überraschend Hans Georg Brunner-Schwer bei mir an. Er hatte gerade sein Label SABA gegründet und suchte einen Bassist für seine Aufnahmen. Ich spielte dort für Hugo Deuringer, aber auch für viele ausländischer Stars wie Art van Damme. Ähnlich erging es dem damaligen schweizer Schlagzeuger Charly Antolini, der ebenfalls bei Erwin Lehn beschäftigt war.

    Wir machten bei MPS alle Aufnahmen zusammen, bis auf die "Balkan Rhapsody", da konnte ich nicht und Eugen nahm den Rettenbacher, den er inzwischen in Berlin kennengelernt hatte.

    Eugen suchte alle Titel raus und brachte für Charly und mich die Partituren mit. Ich schrieb mir dann eine Bass Stimme dazu. Eugen wohnte damals in München, ich in Stuttgart und Antolini ich weiß nicht mehr wo, so standen wir natürlich immer unter Zeitdruck, so wurden die Titel nur kurz angespielt und dann sofort aufgenommen.

    Nach diesen Aufnahmen war Eugen sehr begehrt. Ich war ja vertraglich mit Erwin Lehn gebunden, so konnten wir leider nicht zusammen auf Tournee gehen und auch keine Konzerte geben. Wenn ich mich richtig erinnere, ging er dann nach Berlin zum SFB, wo gerade Paul Kuhn das Rundfunkorchester aufbaute.

    Trotz der räumlichen Trennung, blieben wir aber immer gute Freunde. Wenn er nach Stuttgart kam, hat er immer bei mir übernachtet. Erst in den 80-er Jahren rief er mich nochmals an, um mit ihm zusammen zu spielen. Es war ein Privat-Konzert in Gstaad. Der Geiger Menuhin sollte auch dabei sein, doch der war schon krank und konnte nicht. Ich brachte meinen Sohn als Drummer mit. Das war wunderbar. Es war unser letztes gemeinsames Konzert.

    Ich habe mit vielen Pianisten gespielt, Earl Hines und allen Amis, außer Peterson. Aber keiner war so gut und vielseitig wie Eugen. Mit ihm zu arbeiten war wirklich eine große Freude. Für mich war er einer der allerbesten. Er war ein gottbegnadeter Pianist. Man merkte sofort, dass er von der Klassik kam, er konnte aber auch sagenhaft swingen. Diese Mischung gibt es eben sehr selten.

    Ich habe alle große Jazzer in der Liederhalle in Stuttgart erlebt und mit vielen gespielt, wie z.B. Stephan Grapelli, Jean Toots Thielemans, Benny Goodman und vielen anderen. Ich erinnere mich noch gut an Erroll Garner, den ich auch in der Liederhalle erlebt habe, Eugen konnte seinen Sound herrlich nachahmen.

    Im Jazz Club Atlantic in der Büchsenstrasse wurde dann noch oft bis in die Morgenstunden gespielt. Eugen war da nie dabei, er wollte nicht bei anderen einsteigen, er wollte auch nicht zu den Konzerten von anderen Musikern gehen. Eugen wollte immer frei sein, er wollte sich, glaube ich, nicht binden. Aber er hatte ja auch eine nicht gerade einfache Kindheit und Jugend im kommunistischen System und dann seine Flucht. Er mußte hier mit nichts anfangen, ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können.

    Eugen hat viel für die Rundfunkanstalten in Stuttgart und München, aber auch in Zürich gespielt. Da müßte man vielleicht noch die eine oder andere Kopie bekommen können.

    Die schönste Zeit meines Lebens hatte ich mit Eugen, er war ein wunderbarer Mensch.
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