Miky Ampoitan
 
     1927 - 2004
 
Suedkurier (01.03.2005)

Star, Lehrer, Vollblut-Jazzer
    Miky Ampoitan ist tot

    Doch, es gab etwas, das bei Miky Ampoitan noch stärker strahlte als sein fröhliches Lächeln - und das war seine Musik. Den warmen Klang, den er einem Saxophon zu entlocken vermochte, war einzigartig. Kritiker bescheinigten dem kleinen Rumänen, der am Instrument zum Giganten wurde, "glänzende Technik, gepaart mit unwahrscheinlicher Improvisationsgabe". Seine hohe Qualität honorierten sogar Jazzlexika, in denen sich "Nicolae Ampoitan, genannt Miky, geboren 1927 in Abrud/Rumänien" in Eintrags-Eintracht mit Louis Armstrong oder Duke Ellington findet.

    Bereits mit sieben Jahren erhielt er hoch begabte Junge erstmals Klarinettenunterricht in Bukarest. Von 1944 bis 1948 studierte er am Konservatorium in Cluj. Bekannt wurde er in Rumänien als Mitglied verschiedener Orchester und vor allem als erster Klarinettist und Saxophonist der staatlichen Radio- und Fernsehbigband. Er war ein Star, damals in Rumänien, in den 60-er und 70-er Jahren.

    Ende der 70-er Jahre starb seine erste Frau und Miky Ampoitan suchte das Verdrängen, Vergessen in der Veränderung. Durch das Engagement für eine Kurkapelle in einer deutschen Stadt namens Überlingen war dem bekannten Künstler schließlich Urlaub von Ceaucescus Diktatur möglich.

    Wie das Schicksal eben so spielt: Der charmante, drahtige Musiker und seine Zimmervermieterin verliebten sich ineinander. Doch als die rumänischen Behörden Wind von der Liaison bekamen, wollten sie den Heimgekehrten nicht mehr ausreisen lassen. Elfriede, Ehefrau in spe, fuhr mit den nötigen Papieren zu ihrem Miky und nach der Heirat konnte das Ehepaar zusammen mit Ampoitans erwachsenem Sohn aus erster Ehe legal ausreisen.

    In der neuen Heimat am Bodensee angekommen, zerschlug sich das zugesagte Engagement bei der Stadtkapelle. Aber Ehefrau Elfriede wusste sich zu helfen. Sie sprach den damaligen Bürgermeister Reinhard Ebersbach an, der zumindest darauf verweisen konnte, dass in der städtischen Musikschule noch Lehrer für einige Stunden gesucht wurden. Miki Ampoitan, der Star aus Rumänien, hatte seinen ersten Job in Überlingen.

    1983 klappte es dann auch noch mit der Kurkapelle und 1986 mit der Festanstellung an der Musikschule. Schließlich wurde er Kapellmeister und Stellvertreter von Stadtmusikdirektor Helmut Fetzer. Seine große Liebe zum Jazz fand an der Musikschule Niederschlag in der Gründung der Jugend-Bigband, die er zu bemerkenswerten Leistungen brachte.

    Im Alter von 70 Jahren, 1997, ging Miky Ampoitan an der städtischen Musikschule in den Ruhestand. Nun war es Zeit, ganz zu den Wurzeln zurückzukehren. Er kam zu den "Jailhouse Jazzmen" und mit seinem unverwechselbaren Spiel prägte er den Charakter der bekannten Swing- und Dixielandband wesentlich. Tourneen mit den "Jailhouse Jazzmen" führten ihn unter anderem in die Heimat des Jazz, New Orleans, wo er zusammen mit anderen Bandmitgliedern zum Ehrenbürger ernannt wurde. Parallel zu seinen schon legendären Auftritten mit der Band war er in den letzten Jahren regelmäßig bei den kultigen Jam Sessions im "Ochsen" dabei.

    Der Vollblutmusiker starb 78-jährig in der Nacht zum vergangenen Donnerstag überraschend und unmittelbar nach der Rückkehr von einem mehrmonatigen Aufenthalt in Kenia. Die Trauerfeier findet am morgigen Mittwoch, 2. März, 14 Uhr, in der Überlinger Friedhofskapelle statt.

    --Martin Baur--


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