JAPAN



Japan Report

Eugen Cicero war in Japan sehr beliebt. Er war dort insgesamt drei Mal auf Tournee: 1972, 1987 und zuletzt 1993. Dies ist insofern schon sehr bedeutsam, da mir nicht mal in Deutschland eine durch mehrere Städte durchorganisierte Tournee bekannt ist. Außer bei der Promotion-Tour für die digitalen Wersi-Klaviere waren es immer mehr oder weniger einzelne Konzerttermine, die sich aneinander reihten.

Seine Sidemen waren jeweils:
1972 Hans Rettenbacher, bass / Dai Bowen, drum      TOUR - PROGRAMM | ツアープログラム
1987 Hank Hovenhoek, bass / John Engels, drums     TOUR - PROGRAMM | ツアープログラム
1993 Aladár Pege, bass / Ringo Hirth, drums

Die erste Tournee führte ihn durch 9 und die zweite Tournee durch 12 Städte. Bei seiner dritten Tournee hatte er zwei legendäre Auftritte jeweils im BLUE NOTE von Fukuoka und Tokyo, wo sonst nur die Jazz-Giganten wie Oscar Peterson auftreten. Die vierte Tournee war in Planung, konnte aber leider nicht mehr realisiert werden, weil Eugen 1997 verstarb.

Die erste Tournee 1972 wurde von der Fa. Kyodo Tokyo organisiert, welche 1966 das legendäre Beatles Konzert in Japan veranstaltet hat. Mit Eugen sollte eine spezielle Plattenaufnahme für den japanischen Markt gemacht werden, hierfür war die Tournee offensichtlich eine Voraussetzung. Die CD wurde 1972 am Ende seiner Tournee unter dem Titel My Lyrics - Eugen Cicero in Tokyo aufgenommen.

Neben der Eugen Cicero in London (15. Juli 1973) ist dies die einzige außerhalb Deutschlands produzierte Schallplatte.

Wer die übrigen Tourneen in Japan für Eugen organisiert hat, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Wir wissen nur, dass in den 1980er Jahren der Kontakt zu Japan über Ria Wigt von TIMELESS RECORDS wiederbelebt wurde. Sie hat den Kontakt zu Makoto Kimata hergestellt.

Natürlich dienten seine Japantourneen auch dazu, japanische Pressungen seiner Intercord und Timeless Alben bekannt zu machen. So kommt es, dass bis heute das CD Angebot von Eugen in Japan vielfältiger ist als in Deutschland.  

Im Gegensatz zu MPS haben Intercord und Timeless (fast) alle ihre Alben nach Japan lizenziert. Sie sind dort mit einem anderen Cover (aber oft auch mit anderem Titel) erschienen, so dass sich deren Identität nicht immer leicht feststellen lässt.  

So sind bei Teichiku Records fast alle Intercord Aufnahmen erschienen sowie eine Compilation der Orchesteraufnahmen unter dem Titel A Love‘s Dream Bonjour Tristesse. 

Die japanischen Firmen haben teilweise auch unter anderen Firmennamen Compilations herausgebracht oder bei BMG Funhouse, Japan unter lizenziert, z. B. 

- The Best Of Eugen Cicero,
- Eugen Cicero plays Bach

Bei Columbia Nippon sind insgesamt vier Eigenproduktionen entstanden. Außer bei der ersten Aufnahme, zu der uns Misturu-san Okayama das Booklet dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, ist uns über deren Entstehung nichts bekannt.

- My Lyrics - Eugen Cicero in Tokyo
- A Touch of Love, Horea Crishan & Eugen Cicero,
- A Whisper from Eternity,
- Don‘t stop my dreams (mit dem Jerry Mann Orchestra)

Eugen Cicero, Japan, Columbia Nippon


Das Plattenlabel Pony Canyon Japan veröffentlichte die Aufnahmen Phoenix und Rokoko Jazz II unter den Titeln

- Romantic Cine Jazz
- Romantic Rokoko Jazz

Was könnte die Verbundenheit mit Japan besser belegen, als eine von einem Japaner in Deutschland beauftragte Plattenaufnahme. So wurde die Aufnahme von Lullabies, im Auftrag von Makoto Kimata (1938-2016) in Deutschland im Südwestfunkstudio Mainz produziert. Mit ihr sollte Eugen eine vierte Tournee unternehmen, wozu es leider nicht mehr gekommen ist. Makoto Kimata wollte für seinen Enkel die Berceuse von Benjamin Godard (Nr. 9) von Eugen eingespielt haben. Daraus wurde dann eine ganze Platte mit Schlafliedern, die in Deutschland leider nicht erhältlich ist, aber von der Fa. Meldac in Japan vertrieben wird.

Nach dem Tod von Eugen Cicero kam es 2017 in Japan noch zu drei Neuerscheinungen durch die Pony Canyon. Es handelt sich um bisher verschollene Aufnahmen des ungarischen Rundfunks, die durch den Cicero-Freund Pavel Makovinyi nach Japan vermittelt wurden. Dort erschienen sie unter den jeweiligen Titeln 

Eugen Cicero Trio
- plays Rhapsody in Blue
- plays Jazz
- plays Classic, featuring Aladár Pege

Es braucht sicherlich nicht mehr Beweise dafür, dass Japaner die Klassik und den Jazz gleichermaßen lieben und kein Problem damit haben, wenn beides zu Classic-Jazz vermischt wird. Die Verkaufszahlen der Tonträger waren dort phänomenal.

Als Eugen im Dezember 1997 verstarb, wurde im japanischen Fernsehen die deutsche TV-Sendung Verstehen Sie Spaß, in welcher Eugen noch kurz vor seinem Tode mitgewirkt hat, gesendet. Ob die Ausstrahlung im deutschen Fernsehen noch erfolgt ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, da Eugen im Januar 1999 zu einer Endauswertung nach München nicht mehr erschienen ist.


>Eugen fühlte sich in Japan einfach wohl: Er erzählte mir mit Stolz, wie höflich und respektvoll sich die Leute dort benehmen. Niemand würde sich hinsetzen, so lange er noch stehe und alle würden beim Essen warten, bis er das Besteck in die Hand und den ersten Bissen genommen hat.


Aladár Pege , Angelika Meier-Hanka,
Ringo Hirth, Eugen Cicero

Eugen Cicero in Japan,

Unter den japanischen Fans von Eugen konnte ich zwei ganz „große“ Freunde ausfindig machen: Kazue Hirano und Mitsuru Okayama, die ich kurz vorstellen möchte.

Hirano Kazue mit Tochter und Eugen Cizero

Als ich den Nachlass von Eugen sortiert habe, fand ich den BriefeinerKazue Hirano aus Japan, mit dem wunderschönen Satz, dass ihre Kinder mit der Musik von Eugen aufgewachsen sind. Das hat mich so gerührt, dass ich ihr geschrieben habe. Daraus ist eine lebenslange Freundschaft entstanden. Sie hat mir 12 Jahre lang, jeweils am Todestag von Eugen, weiße Lilien geschickt. Heute noch schicken wir uns Geschenke und tauschen Memorabilien aus. Kazue Hirano hat Eugen bei seiner zweiten und dritten Tournee durch Japan getroffen. Das erste Konzert erlebte sie mit ihrem Mann 1987 in Kochi und das zweite Konzert im Jahre 1993 im Blue Note in Fukuoka.


Der zweite „große“ Freund von Eugen in Japan ist Mitsuru Okayama. Er ist ein leidenschaftlicher Sammler der Aufnahmen von Eugen. Mitsuru-san Okayama hat uns für diese Website die Konzertprogramme von 1972 und 1987, die Liner Notes von My Lyrics und zwei selbstgemalte Portraits von Eugen zur Verfügung gestellt.


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