BIOGRAPHIE



1940

Eugen wird am 27. Juni in Cluj, dem ehemaligen Klausenburg, Rumänien geboren. Nach Adrian ist er das zweite Kind von Livia und Theodor Ciceu. Sein Vater ist orthodoxer Priester und seine Mutter Hausfrau und Mutter – ursprünglich wollte sie professionelle Sängerin werden. Seine Mutter hatte einen ungarischen Geburtsnamen, weshalb zuhause auch ungarisch gesprochen wurde.


Eugen und Adrian Ciceu
Mutter Livia Ciceu mit Eugen und Adrian
Vater Theodor Ciceu mit Eugen und Adrian

1944

Eugen und Adrian Ciceu

Eugen und Bruder Adrian

In dem Haus, in dem die Familie Ciceu lebte, steht eines morgens plötzlich die Tür zur Nachbarwohnung offen. Es ist Krieg. Die Deutschen hatten das Land schon überrannt und waren nach Russland weitergezogen. Nach der Niederlage kommen sie zurück, jetzt gefolgt von den Russen. Offensichtlich hatte die Familie über Nacht fluchtartig ihre Wohnung verlassen und alles zurückgelassen. Eugen spielte gerade im Treppenhaus mit seinem Bruder und sieht die offene Wohnungstüre. Er geht zaghaft und neugierig in die Wohnung und entdeckt ein Klavier. Er beginnt zu spielen. Vom ersten Augenblick an war es kein kindliches Geklimper, sondern hatte gleich Form und Melodie. Adrian ruft nach seiner Mutter, und von da an wollte Eugen nur noch Klavier spielen. 


1947

Umzug der Familie von Regin, doch Eugen bleibt wegen seines Klavierunterrichts in Klausenburg zurück.


1949

Umzug der ganzen Familie nach Bukarest, wo Eugen auf ein musisches Gymnasium geht.


1957

Erste Klavierkonzerte im Rumänischen Rundfunk mit dem Philharmonischen Orchester.
Erster Preis beim rumänischen Bundeswettbewerb junger musikalischer Interpreten.
Studium auf dem Nationalkonservatorium in Bukarest.


1958

Eugen gründet mit seinem älteren Bruder, der Schlagzeuger ist, das Orchester Electrocord und unternimmt Tourneen durch Rumänien, Ungarn sowie die damalige Tschechoslowakei. Er nimmt zwei kleine Schallplatten auf und spielt im Fernsehen und Rundfunk. 

Adrian, der Eugen mit Jazz in Kontakt brachte, wechselt zum Philharmonischen Orchester nach Bukarest, also zur Klassik, während Eugen beim Swing Jazz verbleibt.

Eugen Cicero, 1961 in Sofia


"Progessisti", 1961 Hotel Astoria, Sofia

Eugen tourt mit den „Progressisti“ bis nach Sofia, wo er angeblich zum ersten Mal seine spätere Frau Lilli trifft. Später wechselt er zu „Ambassador Jazz Quintett Bukaresti“, mit dem er sich im September1962 nach West-Berlin absetzt. Die Namen „Progressisti“ und „Ambassador“ beschreiben treffend das Selbstverständnis der Musiker und ihr Verständnis der Musik.


1961

Bau der Berliner Mauer 


1962

Bei einer Tournee durch Ostdeutschland feiert das „Ambassador Jazz Quintett Bukaresti“ triumphale Auftritte im Café Zenner in Ost-Berlin. Mehrmals nehmen die Musiker ein Tagesvisum, um den Westteil der Stadt zu besuchen.

Marius Marcu, Saxophone

Marius (Boby) Marcu

Am 24. September treffen sie sich in der Bar im Hilton und beschließen nicht mehr in den Ostteil zurückzukehren. Aufgrund des Mauerbaus und täglicher Fluchtversuche, herrschte eine brisante Stimmung entlang des „Eisernen Vorhangs“. Bis auf den Saxophonspieler (Boby Marcu), der gerade einen Sohn bekommen hatte, setzen sich alle Musiker in den Westen ab.

Es war notwendig, gleich in andere Länder weiterzureisen, um sich dem Zugriff östlicher Agenten in West-Berlin zu entziehen. Der deutsche Jazz-Papst Joachim Ernst Berendt (1922-2000) berichtet 1965 in den Liner Notes von Rokoko-Jazz, dass Eugen über Österreich und die Schweiz zuerst nach München gekommen ist, wo er von Freddie Brocksieper (1912-1990) in die lokale Jazz-Szene eingeführt wurde. Heinz Lengefeld berichtet, dass bereits in dieser Zeit sein Nachname in Cicero geändert wurde. Von wem die Idee dazu letztlich kam, lässt sich heute nicht mehr feststellen

Portrait-Zeichnung 18.10. 1965 in München (unbekannter Künstler)

Skizze von Eugen Cicero in München

Eugen Cicero in Zürich

Künstlerfoto, datiert 1962,
Foto Steiner in Zürich.

Eugen Cicero in Hamburg

Künstlerfoto, ohne Datum,
Hans Ernst Müller, Hamburg

Künstlerfoto, 1965, German Hasenfratz, MPS

Künstlerfoto, 1965,
German Hasenfratz, MPS


Vermutlich hat ihn der Produzent Werner Schmidt nach Zürich geholt, wo er Hauspianist im „Kindli“ wurde. Wieder zurück in München, hat ihn Freddy Brooksieper 1964 mit nach Stuttgart genommen, wo er mit dem Bassisten Peter (Fifi) Witte (1930-2007) im Chez-Nous im Trio auftrat (Memories Witte, Wendland und Lutz). Peter Witte und Charly Antolini bildeten die Rhythmusgruppe bei dem Südfunktanzorchester Erwin Lehn, waren aber auch Studiomusiker bei MPS in Villingen.


1965

Im MPS-Studio: Eugen mit Peter Witte und Charly Antolini 14. März 1965

Eugen Cicero mit Peter Witte und Charly Antolini MPS Studio

  • Rokoko-Jazz

  • In Town

  • Cicero‘s Chopin

  • Klavierspielereien


Eugen Cicero im MPS Studio


1966 Swinging Tschaikowsky

1968 Romantic Swing, (Franz Liszt)

1970 Balkan Rhapsodie





 

Eugen und Lilli
waren im Oktober bereits verlobt und haben im gleichen Jahr noch geheiratet.

Die Münchner Abendzeitung bezeichnete sie 1977 bei der Trennung als „schwarzäugige Tänzerin“.

Eugen Cicero und Lilli Cicero

1970

Eugen Cicero

Big Band des SFB



Seit Ende 1965 spielt Eugen Cicero beim RIAS Tanzorchester (Radio in the American Sector) und 1970 holt ihn Paul Kuhn als Pianist in die BIG- BAND des SFB (Sender Freies Berlin). 




Eugen nimmt seinenWohnsitz zusammen mit Lilli in Berlin.
Er bekommt vom Berliner Senat eine Villa im Grunewald gestellt.
Am 6. Juli 1970 wird Roger geboren.

Eugen Cicero mit Sohn Roger

Eugen und Lilli mit Sohn Roger


1971

Am 10. August unterschreibt Eugen bei Intercord in Stuttgart einen 10-Jahres-Vertrag.


1972

Erste Japantournee durch 9 Städte.


1976

Deutscher Schallplattenpreis für „Eugen Cicero plays Schubert“ mit dem Württembergischen Kammerorchester unter der Leitung von Jörg Färber. Zur Urkunde


1977

Der Münchener Express schreibt am 10. Dezember: „Scheidungsschock Starpianist Eugen Cicero spurlos verschwunden“. Er erleidet eine schwere Schaffenskrise. Konzerte müssen abgesagt werden und Alkohol wird zum Problem. Er verlegt seinen Wohnsitz von Berlin nach München.


1978

Wieder Konzerte in Berlin und mit Caterina Valente & Stan Getz auf Tournee in Südafrika.


1982

Tod des Vaters Theodor.


Kennenlernen von Angelika Meier-Hanka und gemeinsamer Wohnsitz in der Schweiz.

Erstes Konzert im Bernhard Theater in Zürich,
mit Roman Dylag am Bass und Rolf Bänninger am Schlagzeug.


1983

Nach längerer Pause konzertiert Eugen Cicero wieder in Berlin im Kleinen Theater.


1987

Zweite Japantournee durch 12 Städte.


1990

Das HOHNER-KONSERVATORIUM in Trossingen bietet eine Meisterklasse mit Eugen Cicero an. Die als zweisemestriger Studiengang konzipierte Veranstaltung wird offensichtlich nicht realisiert.
Im gleichen Jahr veröffentlicht der Hohner-Verlag das „erste und einzige Klavierheft“ von Eugen Cicero (Nr. 00/135/100)


1991

Eugen Cicero Trio spielt am 10. Juni auf den Jazz-Tagen in Ehingen an der Donau.
Immer am ersten Montag im November gibt er im Bernhard Theater in Zürich ein Konzert.

Am 12. Oktober 1991 unterschreibt Eugen einen Vertrag mit der Fa. Wersi über die Produktion einer CD, bei welcher er auf dem neuen Wersi Grand Piano spielt. Hierbei handelt es sich um einen „Flügel“, der ohne Saiten, dafür aber mit modernster Technik ausgestattet ist, und zu dem Eugen spontan sagte, „Warum hat es das nicht schon früher gegeben?“

Messe Frankfurt Eugen mit W.E.Franz und R.Franz

Musikmesse Frankfurt
Eugen Cicero mit W. E. Franz und R. Franz

Eugen Cicero Messe Frankfurt 1992

Frankfurter Messe 1992
Wersi Piano

Eugen Cicero Messe Frankfurt Studio

Im Studio bei der Aufnahme der Wersi-CD „Handmade“.


Eugen Cicero, Tabaksmuseum Wien 1991



Gleichzeitig unternimmt Eugen zur Promotion des „Wersi Flügels“ eine Tournee, die ihn unter anderem am 19. Juni nach Wien führt, wo er im „Tabakmuseum“
sein einziges Konzert in Wien gibt.

Eugen Cicero

1992

Eugen ist auf der Frankfurter Musikmesse und macht Werbung für das Wersi Grand Piano und trifft dabei auf Decebal Badila. Sie schließen Freundschaft und tauschen Adressen aus, da Eugen dringend einen guten Bassisten benötigt.


1993

Dritte Japantournee


1994

Christina Katinka Meier
Christina Katinka Meier

Geburt der Tochter Christiana Katinka Meier am 11. April 1994.

 

Eugen Cicero befindet sich im August für ein Konzert in Bukarest. Als seine Mitmusiker nicht kommen, bittet er den bekannten Redakteur Florian Lungu um Kontaktdaten zu Decebal Badila, den er vor zwei Jahren auf der Musikmesse in Frankfurt kennengelernt hat. Nach einer kurzer Probe geben sie ihr erstes gemeinsames Konzert im Sala Radio in Bukarest.

Eugen Cicero und Decebal Badila

Eugen Cicero und Decebal Badila

Mutter und Söhne

Adrian, Livia, Eugen

 

 

Mutter Livia Ciceu
besucht ihre Söhne in Berlin.



1995

Am 5. Oktober geben Eugen Cicero und Decebal Badila ein Konzert in Bratislava.  



1996

Eugen Cicero in Überlingen

Eugen Cicero mit Decebal Badila

 

 

Am 13. Dezember gibt Eugen Cicero mit Decebal Badila ein Konzert in Überlingen.

Eugen Cicero Überlingen

1997

Letzte Konzerte im März in Leipzig, April in Köln und am 4. Oktober 1997 in Cottbus bei den Chopin-Tagen im Trio mit Decebal Badila und Roland Höppner. Mit diesem Exklusiv-Konzert für Frédéric Chopin kehrt Eugen wieder zu seinen musikalischen Wurzeln zurück.

Eugen Coicero_Memoriam

Foto: Kazue Hirano



Eugen stirbt am 5. Dezember in Zürich an einem Gehirnschlag.  Am 15. Dezember nehmen seine Freunde und Familie Abschied bei einer großen Trauerfeier in der russisch-orthodoxen Kirche am Hohenzollerndamm in Berlin.


2002

Tod der Mutter (83), die zuletzt wieder in Klausenburg lebte.

2009

Geburt von Enkel Louis in Hamburg (Sohn von Roger).

Die Urne, mit der Asche von Eugen, wird bei der Beerdigung seiner Mutter von Adrian in das elterliche Grab gegeben 

2016

Am 24. März stirbt sein Sohn Roger in einem Krankenhaus in Heidelberg.

2017

Am 24.Juli 2017 stirbt sein Bruder Adrian im Diakonie-Hospiz Wannsee in Berlin.



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Grab Eugen Cicero in Rumänien